Schwere Zeiten für den Chip-Hersteller

Bill Gates: “Intel ist vom Weg abgekommen”

10.02.2025
Michael Schmelzle ist seit 1997 Hardware-Redakteur der PC-WELT. Daneben verantwortet der Diplom-Biologe und Buchautor Projekte wie die Höllenmaschine und die PC-WELT-PCs.
Der ehemalige Microsoft-Boss sagte, er sei fassungslos, wie weit Intel im Vergleich zu Nvidia und Qualcomm zurückgefallen ist. Und was das für die Industrie bedeutet.
Foto: lev radin - shutterstock.com

Bill Gates war einst die Verkörperung der Computerindustrie. Obwohl sich der Mitbegründer und ehemalige Chef von Microsoft vor über einem Jahrzehnt zurückgezogen hat, um sich ganz der Philanthropie zu widmen, hört man ihm immer noch zu, wenn er spricht. In einem kürzlich geführten Interview sprach er etwa über Intel.

Intel hat eine schwere Zeit hinter sich. Die Aktie des Chipherstellers befindet sich praktisch im freien Fall. Das Unternehmen hatte Fertigungsprobleme bei der 13. und 14. Core-Generation, die am Ende in einer Sammelklage mündete. Auch die Nachfolgegeneration Core Ultra 200S, Codename Arrow Lake-S, konnte im Test nicht überzeugen.

Zudem hat Intel den KI-Trend verschlafen, AMD und Qualcomm beispielsweise waren mit rechenstarken NPUs schneller auf dem Markt, und im professionellen KI-Bereich ist Nvidia Marktführer. Auch der Einstieg in den Grafikprozessormarkt gestaltete sich als schwierig. Im Dezember ist der CEO des Unternehmens, Pat Gelsinger, zurückgetreten, nachdem er jahrzehntelang mit Unterbrechungen für Intel gearbeitet hatte.

Intel ist auch einer der wichtigsten Partner von Microsoft, sodass es keine Überraschung ist, dass die Probleme des Unternehmens in einem Interview mit der Associated Press zur Sprache kamen. “Ich bin fassungslos, dass Intel im Grunde seinen Weg verloren hat”, sagte Gates.

“Sie haben die KI-Chip-Revolution verpasst, und mit ihren Fertigungskapazitäten verwenden sie nicht einmal Standards, die für Firmen wie Nvidia und Qualcomm kein Problem darstellen. Ich fand es sehr mutig von Pat Gelsinger zu sagen: Nein, ich werde die Designseite in Ordnung bringen, ich werde die Fabrikationsseite in Ordnung bringen. Ich habe um seinetwillen und um des Landes willen gehofft, dass er erfolgreich sein würde. Ich hoffe, dass Intel sich erholt, aber im Moment sieht es ziemlich schlecht für sie aus.”

Das ist ein düsterer Ausschnitt aus einem ansonsten positiven Interview, und Gates sieht keine realistischen Möglichkeiten für Intel, Boden gutzumachen.

Ganz so düster sieht es aber nicht aus: Die jüngsten Desktop- und Laptop-Prozessoren des Unternehmens wurden mit mehr Beifall bedacht, und die Intel Arc B580 zeigte bei uns im Test ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Grafikprozessor ist allerdings kein High-End-Chip, sondern mit Straßenpreisen von rund 300 Euro im Budgetbereich angesiedelt. Aber man kann nicht Hunderte von Milliarden an Gewinn machen, wenn man Karten an 1080p-Spieler verkauft.

Intel ist nicht von einem bevorstehenden Zusammenbruch bedroht. Aber nachdem das Unternehmen jahrzehntelang den CPU-Markt sowohl für Verbraucher als auch für Unternehmen dominiert hat, ist Intel einfach nicht mehr der Chipgigant, der er noch vor ein paar Jahren war. Die jüngste Entwicklung zeigt aber, dass Intel angeschlagen ist. Der Aktienkurs ist niedrig, es gab sogar Gerüchte über eine Übernahme. Vor ein paar Jahren wäre das noch undenkbar gewesen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserer Schwesterpublikation PCWorld und wurde aus dem Englischen übersetzt und lokalisiert. (PC-Welt/kk)

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