Auf der WWDC hat Apple einen ersten Blick auf iOS 7 gegeben (--> wir berichteten; mittlerweile gibt es auch einen ersten Test des iOS 7 auf dem iPhone 5). Vor allem bei der Optik hatte Apple Nachholbedarf, denn sein Stil steckte im Jahr 2007 fest.
Die Metapher ist die stärkste Waffe des Designers. Virtuelle Knöpfe sehen wie echte aus, wir sortieren Dateien in "Ordner" auf dem "Schreibtisch", und dass ein E-Mailprogramm einen Briefumschlag als Symbol trägt, ist selbstverständlich. Mit diesen Analogien ist Apple inzwischen aber zu weit gegangen. Apple verwendet Design-Metaphern, die dem Nutzer ins Gesicht schreien und übertreibt mit Effekten und visuellen Spielereien.
Ledereinband, stilisierte Abreißblätter und Hilfslinien: Apples Notizapp gibt sich alle Mühe, wie ein Organizer auszusehen.
So realitätsnah, dass es Ärger gab: Apple musste nachträglich Lizenzgebühren für die iPad-Uhr zahlen. Sie hatten nämlich das geschützte Design der Schweizer Bahn geklaut.
Der virtuelle Untergrund von Game Center sieht aus wie ein Kartenspieltisch.
Lederimitat, Blätteranimation und angedeutetes Papier: der iPad-Kalender.
Angedeutetes Naturmaterial (Holz) und die nahe liegendste Analogie aus dem realen Leben (Bücherregal). So gestaltet Apple Oberflächen - bisher.
Was bei Büchern geht, klappt auch bei Fotos. Die stecken dann in virtuellen Fotoalben. (iPhoto)
Mit dem nächsten Update wird alles anders. Nicht mehr Scott Forstall sitzt auf dem Fahrersitz von iOS, sondern Apples Design-Chef Jony Ive und Apples Internetzauberer Eddy Cue. Forstall musste Apple verlassen. Ive soll sich um ein neues Design von iOS kümmern, Eddy Cue soll Apples Kartendienst und Siri voranbringen.
Trend hin zu Flat Design
Apples Designstil bei der Hardware ist Vorbild für viele andere. Edle Aluminiumhaut ohne Schnörkel, so wenige Verzierungen und störende Tasten wie nur möglich. Bei der Software sieht dies jedoch ganz anders aus. Besonders iOS ist optisch inzwischen ein Relikt früherer Tage. Glänzende iOS-Icons mit Spiegelungen und starker 3D-Anmutung: so sahen die Logos von hippen Internetunternehmen im Jahr 2006 aus.
Es ist etwas passiert, was früher unvorstellbar schien: Apples Designstil ist out, zumindest bei Software. "Bislang waren viele Designer von Apple getrieben" sagt Constanze Langer, Professorin für Visual Interface Design an der FH Potsdam. Was Apple machte, machten andere Designer nach.
Jetzt gibt es einen Gegentrend: Flat Design. Ausgerechnet Apples alter Erzrivale Microsoft ist hier der Vorreiter. Windows Phone ist in vielen Belangen das Gegenstück zu iOS. Keine glänzenden 3D-Icons mit Schattenwurf und keine Oberflächen mit Lederimitat. Stattdessen wenige Farben, kaum Effekte. "Der Trend geht in Richtung Flat Design", sagt Langer. Unter anderem zeigen die neuen Wetter-Apps wie Haze oder Yahoo Wetter, wie moderne Anwendungen aussehen. Auch in modernem Webdesign zeigt sich der Umbruch. Google ist seit jeher Verfechter schlichter Designelemente.