Skaylink-CEO Heinrich Zetlmayer
"Size matters!"
Datum:10.05.2022
Autor(en):Regina Böckle
Branchenschwerpunkte setzen und skalieren - so lautet die Strategie nach der Fusion
von Beck et al., binary, die direkt gruppe und infoWAN zu Skaylink.channelpartner.de: Die vier IT-Dienstleister und Cloud Service Provider (CSPs) - Beck et al., binary, die direkt gruppe sowie infoWAN inklusive deren Tochter DrVis Software - arbeiteten schon seit mehreren Jahren eng und erfolgreich zusammen. 2021 stieg Investor Waterland1 ein, jetzt fusionieren alle Firmen zur "Skaylink2". Warum dieser Schritt zum gemeinsamen Brand und wie weit ist die Integration gediehen?
Heinrich Zetlmayer: Alle vier Firmen sind über mehr als 20 Jahre hinweg unter ihren Gründern sehr erfolgreich
gewachsen, hatten in etwa die gleiche Größe und ergänzten sich hervorragend. Wir haben
in den vergangenen sechs Monaten eine komplett neue Struktur aufgebaut, eine neue Firma3 gegründet, parallel zum Tagesgeschäft, und heute sind alle vier Partner organisatorisch
komplett integriert in die neue Firma.
Dadurch ist eine diverse Kultur entstanden. Das ist etwas anderes, als einfach eine
andere Firma zu kaufen, weil sich dann immer die Kultur eines Unternehmens durchsetzt,
was dazu führt, dass man Mitarbeiter verliert, die sich dort nicht wiederfinden. Bei
Skaylink haben wir uns gemeinsam eine eigene, integrative Kultur geschaffen.
Heinrich Zetlmayer, CEO von Skaylink und seit November 2020 Industry Expert & Operational
Support bei Waterland Private Equity
Foto: Skaylink
Allen Beteiligten war klar, dass jeder für sich nur einen Teil dessen anbieten kann,
was Kunden für eine ganzheitliche digitale Transformation benötigen. Und für Kunden
ist es immer aufwändiger und komplexer, mit vier unterschiedlichen Partnern zusammenzuarbeiten,
als mit einem einzigen Partnerunternehmen, das alle Themen aus einer Hand abdeckt.
Und exakt das bietet nun Skaylink.
Der Einstieg von Waterland Private Equity als starker, strategischer Partner wirkte
wie ein Katalysator für diese Strategie.
channelpartner.de: Welche Kernkompetenzen bildet Skaylink nun gebündelt unter einem Dach ab?
Heinrich Zetlmayer: Wir verbinden in dieser einmaligen Konstellation Partnerkompetenzen für AWS und Microsoft mit Software-Entwicklung, Managed Services und Projektgeschäft; uns zeichnet eine extreme Stärke im Bereich Public Cloud aus, die aber auch - Dank binary4 - durch ein eigenes, privates Rechenzentrum abgerundet wird.
Eigenes Data Center zu betreiben gereicht zum Vorteil
channelpartner.de: Ein eigenes Rechenzentrum zu betreiben ist aufwändig. Weshalb ist es aus Ihrer Sicht dennoch vorteilhaft, zusätzlich zur Partnerschaft mit den Public Cloud Größen, auch selbst Hoster zu sein?
Heinrich Zetlmayer: Weil es für Kunden wichtig ist, einen Partner zu haben, der den Rechenzentrumsbetrieb
aus eigener Erfahrung kennt und der weiß, wie dieser Betrieb genau funktioniert. Wir
kennen alle Welten: Cloud-native, reine Managed Services und klassisches On-Premise-Geschäft!
Die meisten Mittelständler haben eine Mischung aus On-Premise und Public Cloud und
müssen damit zurechtkommen. Genau diese Erfahrung mit Kompetenzen aus allen Welten
bringen wir mit und wir haben die erforderliche kritische Größe, um das alles End-to-End
mit 24x7-Services für den Mittelstand zu bedienen. Gleichzeitig bleiben wir aber auf
Augenhöhe mit dem Mittelstandskunden. Allerdings schätzen auch Dax-Unternehmen unsere
Größe und Innovationskraft!
channelpartner.de: Skaylink ist mit insgesamt 450 Beschäftigten an acht Standorten in Deutschland sowie mit Büros in Brasilien und Rumänien vertreten. Gibt es Pläne für eine weitere regionale Expansion?
Heinrich Zetlmayer: Mittelstands-Champions auf Kundenseite sind meist weltweit tätig. Das müssen wir
abbilden, auch mit Blick auf Amerika, den Nahen Osten und Asien. Die amerikanischen
Länder bedienen wir bereits von einem eigenen Standort in Brasilien aus. Dieses Geschäft
wächst spürbar.
In Asien sind wir noch nicht vertreten, hier arbeiten wir im Bedarfsfall mit einem
lokalen Partner zusammen. Asien ist eines unserer Zukunftsprojekte.
Oberste Priorität hatte aber jetzt erst einmal, die Integration der Firmen umzusetzen
und alles in neuer Konstellation zum Laufen zu bringen.
channelpartner.de: Waterland engagiert sich auch in anderen Partnerkonglomeraten - beispielsweise bei der netgo-group5. Sind hier langfristig Merger geplant, beispielsweise von Skaylink und der netgo-gruppe?
Heinrich Zetlmayer: Nein. Skaylink ist eine eigene und eigenständige Firma mit einem ganz eigenen Verständnis
von Cloud und Digitaler Transformation. Der Zertifizierungsumfang und die Kompetenztiefe
für die Cloud-Angebote von AWS und Microsoft unseres Teams ist enorm. Und unser Fokus
liegt auf der Kombination von Cloud, Projektgeschäft, Software-Entwicklung und Managed
Services. Das unterscheidet uns von anderen Waterland-Beteiligungen.
Die IT bewegt sich technologisch mit zunehmender Geschwindigkeit, das ist für uns
Herausforderung und Motivation zugleich. Unsere Ambition ist es, mittelständische
CIOs dabei zu unterstützen, ihre hybride IT-Landschaft zu betreiben und weiterzuentwickeln.
Spezialisierung auf bestimmte Branchen lohnt sich
channelpartner.de: Wir beobachten aktuell sehr viele vertikale Initiativen auf Anwenderseite. Werden Sie sich bei Ihren Services auf bestimmte Branchen spezialisieren?
Heinrich Zetlmayer: Der Zusammenschluss zu Skaylink gab uns erstmals die Möglichkeit, auch eine kritische
Masse für bestimmte Branchen zu bilden, beispielsweise für Industrie, den Public Sektor,
Consumer und die Finanz- und Versicherungsbranche. Das bilden wir weiter aus.
Allerdings werde ich auch künftig die Technologie-Flagge hochhalten! Denn die einzelnen
Services haben an Bedeutung zugenommen.
channelpartner.de: Inwiefern?
Heinrich Zetlmayer: Die Wertschöpfungsketten der einzelnen Branchen sind heute extrem spezifisch und komplex.
Dort genau den richtigen Punkt zu setzen, ist eine echte Herausforderung. Die Umsetzung
ist das Problem, und da muss ich die Technologie beherrschen: Ich brauche gute Projektmanager,
gute Software-Entwickler und die Cloud-Technologie. Zudem muss ich das regulatorische
Umfeld genau kennen.
Deshalb sind bei uns die meisten Mitarbeiter in speziellen, sehr technologie-starken
Service Circles verortet. Auch unser Change- und Adoption-Team agiert immer sehr technologienah.
Den größten Wert schöpfen wir über Technologienähe, und der Zusammenschluss ermöglicht
uns Branchenschwerpunkte zu setzen und zu skalieren. Denn: Size matters!
channelpartner.de: Konsolidierung gab es im IT-Dienstleistermarkt schon immer. Bemerkenswert ist allerdings seit knapp zwei Jahren der Trend, dass nicht mehr nur Große Häuser Kleinere aufkaufen, sondern dass sich mittelständische Dienstleister zusammenschließen - Skaylink ist dafür ein Beispiel. Wie will sich Skaylink künftig auf diesem Markt positionieren und wachsen?
Heinrich Zetlmayer: Am Markt entstehen mittelgroße Player wie wir, die eine eigene spezielle Dynamik haben.
Wir haben uns auf Cloud-Themen ausgerichtet, weil die IT extrem stark in Bewegung
ist, und weil man wissen muss, was Kunden in zwei bis drei Jahren brauchen. Da sind
wir im deutschen Markt einmalig in dieser Größe und mit dem Fokus auf den Mittelstand.
Wir wollen in den nächsten fünf Jahren stark wachsen - anorganisch und organisch -
und haben mit Waterland einen guten Partner dafür.
channelpartner.de: Welche Art von Firmen sind für Sie interessant?
Heinrich Zetlmayer: Da kommt einiges für uns in Frage, vorausgesetzt das Unternehmen bereichert unser Kernthema Cloud und Digitale Transformation. Es ist eine Frage der Prioritäten. Ein Übernahmekandidat müsste unsere bestehenden Stärken stärken oder Themen, die wir noch nicht ganz abdecken, ergänzen. Wir haben dafür eine eigene M&A-Abteilung (Mergers & Acquisitions).
channelpartner.de: Welche Rolle spielen bei diesen Überlegungen Kandidaten, die Know-how im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) mitbringen?
Heinrich Zetlmayer: Wir sind im Bereich KI schon aktiv, allerdings hat KI aktuell noch geringe Kundenrelevanz
und spielt dort vor allem bei der Auswertung von Daten, im Bereich Machine Learning
und Automatisierung eine Rolle. Die meisten Firmen kämpfen momentan noch mit der Datenkonsolidierung.
In den nächsten drei bis vier Jahren werden vor allem Cloud, Datenintegration, Data
Security, Digitale Geschäftsmodelle relevant sein. Denn die IT-Budgets schießen trotz
aller Digitalisierungsbestrebungen nicht in die Höhe, weshalb sich CIOs eher auf unmittelbar
Geschäftsrelevantes konzentrieren.
channelpartner.de: Wie schaffen Sie bei Skaylink ein Umfeld für Innovation?
Heinrich Zetlmayer: Wir haben erst kürzlich unser Skaylink-Lab und die Skaylink Academy gegründet. Die Academy fördert die kontinuierliche interne und externe Weiterbildung, das Lab schafft Raum für Tests, die Entwicklung von Prototypen und Top Use Cases. Denn Papier ist geduldig, greifbare Beispiele sind immer besser!
Links im Artikel:
1 https://waterland.de/de/2 https://www.channelpartner.de/a/waterlands-skaylink-geht-an-den-start,3339538
3 http://www.skaylink.com
4 https://www.binary.de/
5 https://www.channelpartner.de/a/cema-schliesst-sich-mit-netgo-zusammen,3339125
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