IBM-Partnercamp 2008 - Ziel für den Mittelstand

"Zweistelliges Wachstum"

09.07.2008
Das diesjährige IBM-Partnercamp erlebte ein selbstbewusst auftretendes IBM Deutschland. Und deutlich interessierte 120 Partner. Geschäfte nämlich bietet der IT-Markt viele. Welche wo genau - das versuchte man in den zwei Tagen zu präzisieren.

Von Wolfgang Leierseder

Natürlich war der 100-Milliarden-Riese IBM auch in Wiesbaden an "Cloud Computing" interessiert. Daten milliardenfach in Netzen zu verarbeiten und zu bevorraten setzt Prozessoren und Rechenzentren sowie funktionierende Software-Layer, etwa für das Abrechnen der "Cloud"-Kapazitäten, voraus. Doch IBM, das dieses Jahr in der hessischen Hauptstadt sein zweitägiges "Partnercamp" veranstaltete, weiß, dass die rund 120 Partner nicht wegen einem weiteren Schlagwort ("Buzzword") gekommen waren, sondern, um sich über die Strategien und Maßnahmen zu informieren, die ihnen und IBM zu weiteren und mehr Geschäften verhelfen kann.

Meinung des Redakteurs

Viele, sorgfältig vorbereitete Themen bot das diesjährige IBM-Partnercamp den Angereisten. Klar ist: Die Anforderungen an die Unternehmens-IT wachsen - bedingt durch die zunehmende Vernet-zung, genährt durch das unaufhörliche Marketinggetrommel. Wer sich hier überzeugend positioniert, wird Partner gewinnen. Das möchte auch IBM und machte es in Wiesbaden auch deutlich, wie es sich positioniert: als Anbieter erster Wahl.

Trotz dieser Besetzung: Das Partnercamp war bei IBM nicht reine Männersache.
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Nun ist es selbstverständlich, dass IBM Deutschland mehr Geschäfte machen will. Wie Thomas Henkel, Vice President Business Partner Organisation, in seiner Eingangsrede erklärte, sind das die "Fokusthemen Server, Blades, Storage und Green IT". Und ebenso stehen auf der To-do-Liste Collaboration und Web 2.0, wie sie Lotus anbietet, SOA (Service-oriented architecture) und "Information on demand", wozu die Töchter Websphere, Tivoli und Cognos das ihre beisteuern können, ebenso erklärtermaßen SAP und ERP-Upgrades - "das ist unsere Chance!", versicherte Stefan Höchbauer, neuer Software-Chef, den (Software-)Partnern - und vertikale Märkte, etwa Automotive, Retail und Consumer, Transport, Industrial Products sowie Finanzinstitute und Behörden.

"Web 2.0 bedeutet Service und Zusammenarbeit"

Doch wie das im Einzelnen gehen soll, "ist das, was uns interessiert", sagte Nikolaus Krasser, Vorstand der Münchener Pentos AG. So besuchte der Lotus-Partner den Workshop "Web 2.0 im Unternehmen" und war zufrieden. Denn der Vortragende René Werth, Sales Leader Social Software, führte anhand vorhandener Firmenfälle vor, wo sich die Web-2.0-Einführung rentieren könnte und kann - und wie Software-Partner diese "used cases" nutzen können, um ins Geschäft zu kommen. "Man muss 1. Anwendungsfälle identifizieren, 2. einen Phasenplan erstellen und 3. mit Pilotnutzergruppen den Fall angehen." Dazu sagte Krasser: "Aktuell muss man sozusagen leichte Themen finden, um erfolgreich zu sein."

Weniger leicht hatte es Martina Koederitz, Vice President IBM Systems & Technology Group. Weil sie die Hardware-Sparte repräsentiert, und diese in einem knallharten Wettbewerb mit HP, Dell, FSC und anderen steht, weshalb Distributoren, etwa Avnet und Techdata-Tochter Azlan, immer wieder fragen, wie IBM diese Geschäfte wieder ankurbeln will, und weil ihre Sparte nun bei dem Thema Blades vorankommen muss. "Wir brauchen mehr Partner", sagte Köderitz zu ChannelPartner und kündigte an, dies mit Incentives, aggressiven Preisen und Paketlösungen erreichen zu wollen. Zur Debatte um einen Ausstieg IBMs aus dem Entry-Server-Bereich sagte sie: "Es gibt keinen Ausstieg." IBM werde weiterhin "den x86-Servermarkt adressieren". Trotz der Abkommen mit PC-Anbieter Lenovo.

Mittelstand im Fokus

Für die nach wie vor eigenständig geführte Software-Abteilung sagte Höchbauer, das Ziel sei, "im Mittelstand zweistellig zu wachsen". Der frühere Deutschland-Chef von SAP betonte die Upgrade-Möglichkeiten bei Unternehmen, die SAP einsetzen, zudem sich mit ERP-Upgrades (Enterprise Resource Planning) beschäftigten. Dieses Szenario bietet ISV- und anderen Partnern "umfassende Möglichkeiten, Hard- und Software sowie Services zu verkaufen", so Höchbauer.

Weitere "klare Wachstumschancen" sieht er beim Thema "Information on demand". Hier würden die Töchter Cognos und Tivoli Pakete für den Mittelstand anbieten. Ferner werde ein Komplettangebot für SMB-Firmen von der Security-Tochter ISS kommen.

Höchbauers Strategie wurde von dem Ulmer IBM-Partner Fritz und Macziol bestätigt. Edith Wittmann, Vertriebsleiterin Software, sagte im Gespräch mit ChannelPartner, das Systemhaus werde das "bestehende Hardware-Geschäft beibehalten", doch setze es seinen Schwerpunkt vor allem auf Software. "Wir werden das Softwaregeschäft ausbauen." Zentrale Themen der Kunden seien SOA, Virtualisierung von Servern und Speichern, ferner das Management von Daten und Collaboration, also integrierte Kommunikation. Hier bietet das Systemhaus seit Jahren eine eigene, auf Notes basierende Lösung an.

"Sie sind die Mannschaft"

So ist als Fazit des "Partnercamps" Mehreres zu ziehen. Die rund 30 Vorträge hatten die Wissensbedürfnisse der Partner gut getroffen. Der Software wird derzeit mehr Kredit eingeräumt als der Hardware - obwohl Virtualisierung ohne entsprechende Hardware kaum gelingen dürfte. Dazu sagte Koederitz: Wir sehen den Bedarf nach Highend- und Midrange-Servern, da Unternehmensinfrastrukturen gerade im Mittelstand konsolidiert werden." Gerade hat IBM seine Serverreihen "i" und "p" auf der Basis des hauseigene Power6-Prozessors zusammengelegt.

Social Networking als Bestandteil der Unternehmensstrategie ist im Kommen - "rund 50 Prozent der Mittelständler setzen Wikis ein", sagte Wolfgang Hahl, Geschäftsbereichsleiter IBM Mittelstand. Team- und Unternehmens-Blogs sowie Wikis dürften bald folgen, auch wenn traditionelle Hierarchien damit bedroht sind, wie Werth und Krasser übereinstimmend sagten.

Und wer dann die versammelten Partner als "Mannschaft" anspricht, die "gemeinsam mit uns als Team agiert", hatte diesmal in Wiesbaden den richtigen Tonfall getroffen. Wenigstens zwei Tage lang.