Ratgeber Festplatte

Wie lange lebt Ihre Festplatte noch?

21.05.2010 von Benjamin Schischka
Hitze, Rattern, Abstürze – diese Zeichen verraten, dass Ihre Festplatte bald defekt ist. Unsere Schwesterpublikation PC-Welt hat die wichtigsten Tipps zur Früherkennung für Sie gesammelt.

Defekt ohne Überrasschung
2006 fand eine Google-Studie heraus, dass 64% aller Festplatten-Ausfälle vorhersehbar sind. Die Forscher nahmen neun Monate lang rund 100.000 Festplatten unter die Lupe, berücksichtigten aber nur den sogenannten Smart-Standard. Smart („Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology“) – zu deutsch „System zur Selbstüberwachung, Analyse und Statusmeldung“ – ist mit einem Protokoll vergleichbar, in dem die Festplatte bis zum Defekt diverse Werte festhält, beispielsweise die Betriebszeit. Weil wir auch akustische Warnsignale und Datenfehler berücksichtigen, erhalten Sie mit unseren drei Zeichen eine noch exaktere Prognose.

Bevor die Festplatte defekt ist
In unserer Download-Galerie finden Sie 20 Gratis-Tools für die Festplatte, die Datenverlust vorbeugen, die Platte flüstern lassen oder sie sauber halten.

Festplatten-Tools

1. Ihre Festplatte wird zu heiß

Speedfan: Thermometer für die Festplatte.

Thermometer für die Festplatte
Um die Temperatur Ihrer Platte zu messen, brauchen Sie spezielle Tools. Wir empfehlen das kostenlose Speedfan. Klicken Sie nach Download und Installation von Speedfan auf „Configure“ und „Options“, um die Sprache auf Deutsch zu stellen. Speedfan hat sich auf Spannungs- und Drehzahlwerte des CPU-Lüfters spezialisiert, liefert aber auch wertvolle Informationen zur Festplatte.

Nicht über 50 Grad
Im ersten Reiter „Lesen“ listet Speedfan diverse Temperaturmessungen. Die Festplattentemperatur finden Sie hinter „HD0“, mit einem Pfeil gibt Speedfan die aktuelle Entwicklung an. Auf unserem Testrechner arbeitete eine Seagate-Platte bei 38 Grad Celsius – eine Temperatur unter 50 Grad ist ein gutes Zeichen. Alternativ-Programm: Die Freeware HD Tune zeigt die aktuelle Temperatur der Festplatte ebenfalls an. Profis greifen zu den Smartmon-Tools, die noch viel mehr können, als die Temperatur auszulesen.

2. Ihre Festplatte macht komische Geräusche

Oft verraten Geräusche eine defekte Festplatte.

Geräusch identifizieren
Ihre Platte macht komische Geräusche, aber Sie wissen nicht, was diese bedeuten? Im Internet gibt es eine Geräusche-Sammlung defekter Festplatten. Die Liste ist in acht Festplatten-Hersteller unterteilt, etwa Western Digital, Seagate oder Samsung. Hören Sie sich die Geräusche Ihrer Marke an: Ist das gleiche Kratzen, Klopfen oder Piepen darunter, ist Ihr Laufwerk höchstwahrscheinlich defekt.

Festplatte identifizieren
Wenn sie noch funktioniert, finden Sie die Modellbezeichnung Ihrer Festplatte über einen Rechtsklick auf die Platte im Arbeitsplatz heraus. Navigieren Sie über „Eigenschaften“ zu „Hardware“ und geben Sie die Seriennummer bei Google ein. Andernfalls bauen Sie das Laufwerk aus oder schauen im Handbuch nach.

3. Ihr Windows stürzt ab oder bleibt kurz hängen

HD Tune: Untersucht die Smart-Daten der Festplatte.

Die Festplatte als mögliche Ursache
Wenn Ihre Festplatte über fehlerhafte Sektoren stolpert, bleibt Windows einen Moment lang hängen. Datenfehler können auch zum Absturz führen. Die empfindliche Oberfläche der Festplatte wird durch Temperaturschwankungen, Stöße und defekte Mechanik oder Elektronik beschädigt. Nicht immer fällt dabei die Festplatte ganz aus, denn moderne Festplatten besitzen eine interne Fehlerkorrektur, die imstande ist, einzelne Sektoren als defekt zu markieren.

Ist Ihre Festplatte an der Oberfläche beschädigt?
Das Gratis-Tool HD Tune macht defekte Sektoren und Datenfehler sichtbar. Klicken Sie nach Download und Installation von HD Tune auf den Reiter „Error Scan“ und dort auf „Start“. HD Tune überprüft nun die Oberfläche der Festplatte und kennzeichnet beschädigte Regionen mit roten Kästchen. Vereinzeltes Rot ist kein Grund zur Panik, nehmen Sie den Befund aber nicht auf die leichte Schulter.

Gesundheitscheck: Wie fit ist Ihre Festplatte?
Unter „Health“ bewertet HD Tune mithilfe der Smart-Daten die Gesundheit Ihrer Festplatte. Im Idealfall steht unten rechts ein grünes „Ok“. Die „Power On Time“-Anzeige links daneben misst die Betriebszeit Ihrer Platte, je nach Hersteller meist in Stunden. Unsere Test-Platte hat laut HD Tune 1790 Stunden auf dem noch recht jungen Buckel. Bei den Werten darüber bezeichnet „Current“ den aktuellen Wert und „Worst“ den schlechtesten je gemessenen. Keiner der Werte sollte unter den Threshold (den Schwellenwert) fallen. Mehr dazu auf der nächsten Seite.

Smart-Tabelle: Die wichtigsten Werte erklärt

Smart: Das Festplatten-Protokoll.

Die Tabelle beinhaltet die wichtigsten Smart-Parameter inklusive Erklärung und Fehler-Bewertung. Einige Hersteller benutzen zusätzlich eigene Parameter oder verzichten auf Angaben. Festplatten speichern jeden Wert als Raw-Data und bewerten ihn mit einer Skala von 0 bis 100, 200 oder 255. Je nach Abstufungswunsch verwenden die Hersteller die unterschiedlichen Skalen. Das Skala-Maximum bedeutet „sehr gut“, je weiter sich der Wert 0 nähert, desto schlechter. Ausnahmen: Die Temperatur wird in Grad Celsius gemessen, die Betriebsdauer meist in Stunden.

Smart-Parameter

Relevanz

Fehler

Schlechte Werte

Raw Read Error Rate

ausfallrelevant

nicht korrigierbare Lesefehler, führen zu erneutem Lesen

Problem mit Plattenoberfläche

Spin Up Time

ausfallrelevant

durchschnittliche Startzeit, meist in (Milli-)Sekunden

Problem mit Motor oder Platten-Lager

Start/Stop Count

informativ

Anzahl der Start-/Stop-Vorgänge der Festplatte

Abnutzung

Reallocated Sector Count

ausfallrelevant

Anzahl der verbrauchten Reserve-Sektoren

Problem mit Plattenoberfläche, Ausfall binnen eines halben Jahres

Seek Error Rate

ausfallrelevant

nicht korrigierbare Lesefehler, führen zu erneutem Lesen

Problem mit Lese-/Schreibeinheit

Power On Hours Count

informativ

Laufzeit der Platte, meist in Stunden oder Sekunden

Abnutzung

Spin Retry Count

ausfallrelevant

Fehlstarts

Problem mit Motor

Power Cycle Count

informativ

An- und Abschalten des PCs mit dieser Festplatte

Abnutzung

Temperature

ausfallrelevant

Temperatur der Platte in Grad Celsius

schlechte/defekte Lüftung, nach drei Jahren Nutzung verdoppelt sich die Ausfall-Wahrscheinlichkeit

Hardware ECC Recovered

ausfallrelevant

korrigierte Bitfehler beim Lesen

Problem mit Plattenoberfläche oder hohe Datendichte

Ultra DMA CRC Error Count

informativ

Anzahl der aufgetretenen CRC-Fehler

defekte Kabel, verschmutzte Kontakte, Übertaktung, Treiber

Scan Error Rate

ausfallrelevant

nicht korrigierbare Fehler beim Überprüfen der Oberfläche

Problem mit Plattenoberfläche, Ausfall binnen eines halben Jahres

Throughput Performance

ausfallrelevant

Datendurchsatz der Fesplatte (Effizienz)

schlechte Werte stehen für langsame Geschwindigkeit

Load/Unload Cycle Count

informativ

Parkvorgänge der Schreib-/Leseeinheit

Abnutzung, vorgesehen sind rund 300.000, der Wert zeigt die bisherigen

Die Festplatte liegt im Sterben – Was nun?

Backup: Spätestens kurz vor dem Ableben der Festplatte.

Verlieren Sie keine Zeit und verzichten Sie auf weitere Tests: Jede unnötige Belastung sollte ab jetzt vermieden werden. Ziehen Sie wichtige Daten als Backup auf einen gesunden Speicher, etwa auf einen USB-Stick oder eine externe Festplatte. Das Verschieben auf eine andere Partition der gleichen Platte bringt nichts. Sind die wichtigsten Daten gerettet, können Sie ein umfassenderes Backup versuchen – etwa mit den Gratis-Tools unserer Download-Galerie. Alternativ sichern Sie Ihre Daten online, um immer und überall Zugriff zu haben.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer Schwesterpublikation PC-Welt.