Planung ist das A und O

Haben Sie das Zeug zum Online-Händler?

04.08.2015 von Patricia Wörishofer
Online-Händler zu werden ist leichter gesagt als getan. Die Komplexität des Themas eCommerce wird viel zu gern unterschätzt.

Während der Gründungsphase eines Online-Shops stehen häufig nur ein Bruchteil der tatsächlich relevanten Aufgaben im Vordergrund. Themen, die dem Online-Händler besonders wichtig sind, beispielsweise Shop-Design, erhalten dabei viel Aufmerksamkeit. Das ist auch gut so.

Ein professioneller Shop kann keine Onemanshow sein.
Foto: Robert Kneschke - Fotolia.com

Dennoch ist es wichtig das sogenannte Big Picture im Auge zu behalten. Leider passiert es viel zu häufig, dass Onlineshops in den unendlichen Weiten des Internets verwaisen. Die Ursachen dafür sind so vielfältig wie die Aufgaben und Themen, die ein Online-Händler bedienen muss. Aber keine Sorge der Händler muss nicht alles wissen, können und tun sondern sich den Überblick verschaffen und für Make or Buy entscheiden!

Produkt und Branche

In den meisten Fällen sind das Produktwissen und die Branchenkenntnisse das Steckenpferd des Online-Händlers. Wenn das nicht der Fall ist, sollte man sich dieses Wissen mit ins Team holen, vielleicht sogar von einem Konkurrenten. Hier steht Buy definitiv nicht zur Wahl.

Online Marketing und Vertrieb

Online Marketing umfasst alle Maßnahmen, die darauf abzielen potentielle Kunden auf die Webseite zu locken. Online Marketing ist ein sehr weites Gebiet und umfasst unter anderem die folgenden Themen:

Besonders wichtig ist dabei SEO (Search Engine Optimization). Der Online-Shop sollte entsprechend alle Möglichkeiten für die optimale Suchmaschinen-Optimierung mitbringen, denn nur wer gesehen wird, kann Aufmerksamkeit wecken.

In Abhängigkeit von der der Zielgruppe des Online>Shops ist es empfehlenswert außerhalb der Internets auch Maßnahmen zur Steigerung der Bekanntheit festzulegen. So bedienen zahlreiche regionale Händler oftmals ihre Stammkunden, die sie bereits vom stationärem Geschäft kennen, online.


Zudem empfiehlt es sich nicht den Aufbau von Geschäftsbeziehungen ausschließlich auf das Internet zu beschränken. Persönlichkeit spielt dabei eine Wichtige Rolle. Vertrieb und Networking, besonders in der Gründungsphase, sollte vor allem vom Gründerteam getrieben werden, auch wenn es ein unbeliebtes Thema ist. Die Ausrede "ich bin nicht der Typ zum verkaufen" zählt nicht, denn das einzige was man für diese Aufgabe mitbringen muss, ist Leidenschaft für das Produkt und Marktkenntnis.

Impressionen vom Kongress "Best in eCommerce 2015"
Dr. Ronald Wiltscheck, Chefredakteur ChannelPartner und Mit-Initiator von Best in eCommerce, heißt alle Gäste herzlich willkommen.
Bitbakers Kassensystem aus der Cloud gab es auch zum Anfassen.
Jury-Mitglied Andy Altmeyer, Gründer und Geschäftsführer von A EINS IT, lauscht gebannt den Projektvorträgen
(v.r.) Boris Krstic, Geschäftsführungsmitglied von Actindo (re.) im Gespräch
(v.r.): Philipp Kannenberg (gaxys) im Gespräch
Peer Hohn, CEO von Phizzard, zeigt mit der digitalen Umkleidekabine, wie Big Data am Point of Sale funktioniert.
Jens Rothenstein, Jury-Mitglied und Projektmanager an der IFH Institut für Handelsforschung GmbH beim ECC Köln, hakt noch einmal nach
Imke Müller-Wallraf, Kommunikation Communications Project Manager D-A-CH bei Lengow
Party am Abend des ersten Messetages
Jury-Debatte (v.l.): Jens Rothenstein (ECC Köln) und Jochen Fuchs (t3n) in der Debatte
Christian Hagemeyer, Managing Director, econda GmbH
Am Stand von AtlantisMedia
Christian Erbach Leiter Vertrieb & Marketing bei bitbakers
Michael Köster, Jury-Mitglied und Manager CIO Advisory, KPMG AG, und Stellv. Vorsitzender der Arbeitsgruppe Handel des BITKOM, lotet in seiner Keynote die Marktlage aus: "Vom Gejagten zum Jäger – Digitalisierung am Point of Sale"
Aufmerksame Zuhörer
Reiner Schmelzle, Vertriebsleiter von ElectronicSales
Christoph Schmidt, Geschäftsleitungsmitglied von DIXENO, beschreibt die einzelnen Stufen des B2B-Shop-Projekts bei Unilever
Lars Epp, eCommerce- und Marketing Manager bei imcopex office Supplies
Das heiß begehrte Objekt: Die Awards für die besten eCommerce-Projekte 2015
Prof. Dr. Georg Rainer Hofmann, Sprecher der Kompetenzgruppe (KG) „E-Commerce“ des eco Verband, und Prof. am IMI der Hochschule Aschaffenburg,skizziert in seiner Keynote den "New Commerce: eCommerce ist überall - einige Phänomene & Erläuterungen"
Stefan Bernauer, Country Manager DACH bei Lengow, mit Boris Krstic, Geschäftsführung Actindo
Denis Rathig Leiter Entwicklung atlantis media, zeigt am Beispiel imcopex, imcopex: Wie interaktives Shoppen beim Distributor funktioniert.
Intensive Diskussion am Stand von gaxsys
Hans Wagner, Presales Consultant, und Dr. Ingo Rill, Leiter Marketing bei Claranet
Peter Maier, Leiter Organisation bei Wiedenmann, schildert das B2B-Shop-Projekt mit Technologielieferant ElectronicSales aus Sicht des Kunden
Helmut Dietz, Vertriebsleiter von gotomaxx, im Gespräch
Thomas Weilhart, Projektleiter bei Kienbaum Management Consultants
Immer gut drauf - Phizzard Team
Malte Gosau, Managing Director bei BorderGuru
Claus-Jürgen Kromm, Projekt Manager eBusiness bei Heidelberger Druckmaschinen
Jens Rothenstein (ECC Köln) im Gespräch mit Diethelm Siebuhr, CEO u Oliver Matthiessen Senior Service Manager von Nexinto
Norbert Weiß, Leiter Marketing bei Layer Grosshandel
Die Juroren brüten über der finalen Auswertung
Roundtable zur Zukunft des eCommerce (v.l.): Michael Köster (KPMG / Bitkom), Michael Lück (Hermes Logistik Gruppe Deutschland) und Christian Hagemeyer (econda)
Jury-Mitglied Matthias Hell erfragt beim Referenten noch weitere Detailinformationen zum Projekt
Auf dem Best in eCommerce Areal präsentierten Anwenderunternehmen und ihre Dienstleister 16 Best Practice Projekte, hochkarätige Keynotesprecher den Fachbesuchern und Aussteller zu allen Aspekten des Digital Commerce
Kai Hartmann von Hermes Logistik im Gespräch.jpg
Frédéric Cuny, Mitglied der Geschäftsleitung von Kienbaum Management Consultants
Marcus Krehan, Geschäftsführer von Arendicom
Marie-Theres Zeplichal, Channel Marketing Manager bei Unilever Food, erläutert Details zum B2B-Shop-Projekt
Aufmerksam verfolgt die Jury die Projektvorstellungen: (v.l.): Jochen G. Fuchs (t3n), Jens Rothenstein (ECC Köln), Matthias Hell (E-Commerce-Experte) und Michael Köster (KPMG / Bitkom)
Michael Joos, Geschäftsführer von bitbakers, berichtet, wie Kassensysteme mit Hilfe von flour.io aus der Cloud bezogen werden können
Stefan Bernauer, Country Manager DACH bei Lengow
Michael Lück, Abteilungsleiter Online-Vertrieb Hermes Logistik Gruppe Deutschland, zeigt anhand praxisnaher Beispiele die Erfolgsfaktoren der Versandlogistik auf
Interessenten am Nexinto-Stand auf dem Best in eCommerce Areal
Peer Hohn CEO Phizzard.jpg
Nils Kaufmann Business Development Director Claranet.jpg
Perfektes Teamwork - Hermes Logistik und BorderGuru
Leidenschaftlicher Vortrag zur Verbindung von Off- und Online-Channel bei TAO Sportswear: Philipp Kannenberg, member of board gax international bei gaxsys
Jury-Mitglied Michael Köster (KPMG / Bitkom) mit Manager CIO Advisory, KPMG AG, und Stellv. Vorsitzender der Arbeitsgruppe Handel des BITKOM, im Gespräch mit Michael Ringbeck (IDG)
Am Stand von atlantis media

Rechtliches

Impressum, Widerrufsbelehrung, AGB´s, Steuern, Rechnungen, Buchhaltung - an alles gedacht? Für die ersten drei Punkte gibt es hervorragende Hilfestellungen um den Onlineshop rechtlich abzusichern. Es ist nur wichtig sich darum zu kümmern, denn abgemahnt ist man sehr schnell.


Für die letzten drei Punkte der Aufzählung sollten sich Online-Händler am Besten Unterstützung vom Steuerberater holen und parallel abklären was das Onlineshopsystem alles abdeckt. Alle Eventualitäten sollten mit abgeklärt werden. Denn was passiert, wenn ein ausländischer Kunde ein Produkt im Onlineshop herunterlädt? Wo ist es steuerbar und wie definiert sich hier der Prozess?

Logistik

Wer kümmert sich um das Picken der Bestellung, Verpackung und den Versand? Und was passiert mit Retouren? Der Kunde wird immer anspruchsvoller und somit auch die Anforderung an eine perfekte Logistik, die keine Fehler und Verzögerungen erlaubt. Amazon setzt den Standard und verwöhnt die Kunden mit perfektem Service. Nicht weniger erwarten Kunden, wenn sie in einem Onlineshop bestellen. Gleichzeit müssen die Kosten überschaubar bleiben. Ab einem bestimmten Volumen sollten Händler sich auf die Kernkompetenzen fokussieren und kalkulieren, ob externes Fullfillment in Frage kommt.

Shop-Betrieb

Die Auswahl des Shopsystems, welches alle definierten Anforderungen abdeckt, ist sehr komplex. Die Preise der Shoplösungen beinhalten immer unterschiedliche Angebote. In dieser Branche ist es fast unmöglich nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Nachdem das System das Herzstück eines Onlieshops stellt, spielt die Entscheidung eine zentrale Rolle. Das tägliche Arbeiten sollte schließlich so reibungslos und unkompliziert wie nur möglich ablaufen. Es muss nicht gleich ein IT-Experte angeheuert werden um das optimale Shopsystem zu finden. Kostenpflichtige Vergleichsplattformen helfen dabei alle Anforderungen zu analysieren und das optimalste Shopsystem zu ermitteln.

Online-Shopping 2015 - Frust statt Lust beim Online-Kauf - eCommerce-Studie von JDA Software und Centiro
Online-Shopping 2015 - Frust statt Lust beim Online-Kauf - eCommerce-Studie von JDA Software und Centiro
Die einfache Rücksendung der bestellten Waren ist für Online-Käufer ganz wichtig.
Online-Shopping 2015 - Frust statt Lust beim Online-Kauf - eCommerce-Studie von JDA Software und Centiro
Die Rücksendung sollte nach Möglichkeit kostenlos sein.
Online-Shopping 2015 - Frust statt Lust beim Online-Kauf - eCommerce-Studie von JDA Software und Centiro
Die online bestellte Ware im stationären Laden persönlich abholen ist für Kunden eine wichtige Option.
Online-Shopping 2015 - Frust statt Lust beim Online-Kauf - eCommerce-Studie von JDA Software und Centiro
Der nächste Webshop ist nur einen Mausklick weiter entfernt.
Online-Shopping 2015 - Frust statt Lust beim Online-Kauf - eCommerce-Studie von JDA Software und Centiro
Viele Kunden klagen über unzureichende Zustellung der online bestellten Artikel.

Produktpräsentation

Die Produktpräsentation wir häufig unterschätz. Für Onlinehändler ist das die Chance zur Differenzierung. Besonders bei kostspieligen Produkten möchte der Kunde so viele Informationen wie nur möglich einholen. Dabei geht es nicht nur um technische Fakten sondern auch um das Kompensieren der haptischen Erfahrung. Dabei ist das angemessenen Kosten-Nutzen Verhältnis im Blick zu behalten.

Das heißt, die Qualität der Präsentation sollte mit dem Preis der Produkte korrelieren. So ist bei Verbrauchsgütern wie Lebensmitteln ein Produktvideo und eine umfangreiche individuell Produktbeschreibung häufig zu viel des Guten. Produktfotos von Profis erstellen zu lassen kann für Gründer häufig den Kostenrahmen sprengen. Das Startup Vite Envouge erstellt beispielsweise alle Produktbilder selbst, gute Fotografie ist kein Hexenwerk.

Fazit

Ein Online-Händler muss die Relevanz aller sechs beschriebenen Themenbereiche einschätzen können und vor allem den Blick fürs Große und Ganze haben. Ein professioneller Onlineshop kann keine Onemanshow sein, sonder muss von verschiedenen Fachkräften bedient werden. Das Konzept des Shops sollte keines der Themen vernachlässigen denn sonst besteht die Gefahr eines Online Shops der in den tiefen Weiten des Internets verloren geht, groß. (bw)

Das könnte Sie auch interessieren: