Versionen, Hardware und Lizenzen

Das Ökosystem um Windows 8 wird größer

16.11.2012 von Moritz Jäger
Mit Windows 8 überarbeitet Microsoft auch sein komplettes Ökosystem. So ändern sich die Windows-Versionen und Lizenzmodelle. Ebenso werden die Mindestanforderungen und die unterstützten Hardwarekomponenten neu definiert.
Microsoft hat dem Ökosystem rund um Windows einen neuen Anstrich zu verpasst.
Microsoft hat dem Ökosystem rund um Windows einen neuen Anstrich zu verpasst.
Foto: Microsoft

Mit Windows 8 überarbeitet Microsoft auch sein komplettes Ökosystem. So ändern sich die Windows-Versionen und Lizenzmodelle. Ebenso werden die Mindestanforderungen und die unterstützten Hardwarekomponenten neu definiert.
von Moritz Jäger (freier Journalist in München)
Mit Windows 8 hält nicht nur eine ganze Reihe an neuen und überarbeiteten Funktionen Einzug.Microsoft nutzt die Gelegenheit auch, um dem Ökosystem rund um Windows einen neuen Anstrich zu verpassen. Das betrifft nicht nur neue Hardware oder Formfaktoren für Geräte, sondern auch die verfügbaren Versionen sowie die unterschiedlichen Lizenzbedingungen.

Weniger Versionen, mehr Übersicht

Der Acer Aspire 7600U wartet mit einem Touch-Display auf.
Der Acer Aspire 7600U wartet mit einem Touch-Display auf.
Foto: Microsoft

Microsoft hat sich die Kritik an der Versionsvielfalt von Windows 7 zu Herzen genommen. Statt wie bisher sieben wird es lediglich vier verschiedene Versionen von Windows 8 geben. Der klassische Endkunde wird auf seinem Rechner wahrscheinlich "Windows 8" installieren. Diese Version verzichtet auf das Windows Media Center sowie Firmen- und Enterprise-Funktionen wie Group Policy, AppLocker oder Windows To Go. Komplett neu ist "Windows 8 RT". Diese Variante wird es nicht im Laden oder als Volumenlizenz geben. Sie wird ausschließlich an die Hersteller von Windows-8-Tablets mit ARM-Chipsatz ausgeliefert. Im Funktionsumfang ähnelt Windows 8 RT der normalen Version von Windows 8, allerdings fehlt etwa der Windows Media Player oder die Unterstützung für klassische Windows-Anwendungen. Dafür erhalten alle Geräte eine Verschlüsselungsfunktion sowie die Microsoft Office Apps. Für den Einsatz im Enterprise wäre es aber praktisch, wenn Microsoft noch Unternehmensfunktionen wie Direct Access optional nachlieferte.

Lizenzen für Windows 8

Die Asus-Vivo-Reihe ist eine der Alternativen zum Android-Tablet.
Foto: Microsoft

Was die Lizenzen angeht, wird es wie immer eine OEM-Lizenz geben, die für Hersteller von PCs und Laptops gedacht ist. Neu ist dabei die "OEM Activation". Sie erlaubt den Herstellern, Windows 8 auf dem PC vorzuinstallieren und zu aktivieren, so dass der Nutzer sie nicht mehr selbst in Betrieb nehmen muss.

Enterprise-Kunden erhalten wie bisher die Option für Volumenlizenzen. Wer Windows 8 im Laden kaufen möchte, der bekommt die Standard-Lizenz. Diese erlaubt die Installation von Windows oder ein Upgrade von einer früheren Windows-Variante. Upgrades sind nicht nur von Windows 7 möglich, sondern auch für Nutzer von Windows XP und Vista. Bis zum 31. Januar 2013 soll es dieses Upgrade zu besonders günstigen Konditionen geben, wahlweise als Download oder DVD-Version.

Zumindest für die USA hat Microsoft noch eine zusätzliche Lizenzform angekündigt: die "Personal Use License" (System Builder). Sie erlaubt das Betreiben einer Version von Windows 8 auf einem physikalischen oder virtuellen System. Ob und wann diese Lizenz nach Deutschland kommt, ist noch nicht bekannt.

Hardware-Anforderungen

In Sachen Design ist noch einiges möglich, wie das Lenovo Idea Centre B520 zeigt.
Foto: Microsoft

Erstmals wird Windows nicht mehr nur auf Systemen mit Intel- oder AMD-CPUs arbeiten, sondern auch mit Chipsätzen auf Basis der ARM-Technik. Das spiegelt sich in den Mindestanforderungen der Installation wider.

Standard-Desktops benötigen einen Prozessor mit mindestens 1 Gigahertz Taktfrequenz, eine DirectX-9-kompatible Grafikkarte sowie 20 GB freien Speicherplatz. 32-Bit-Systeme sollten außerdem mindestens 1 GB Arbeitsspeicher bereitstellen, in der 64-Bit-Welt verdoppelt sich diese Anforderung auf 2 GB. Damit Hersteller ein Windows-8-Logo auf das Gerät kleben dürfen, muss es aus dem Standby innerhalb von zwei Sekunden aufwachen.

Deutlich strenger werden die Vorgaben, wenn die Hersteller ein System mit Touchscreen verkaufen wollen, etwa ein Convertible oder ein reines Tablet. Hier ist mindestens eine Grafikkarte mit DirectX-10-Unterstützung erforderlich, dazu müssen nach der Installation des Betriebssystems mindestens 10 GB Platz für Nutzerdaten vorhanden sein. Microsoft schreibt fünf Tasten am Gehäuse vor: "Ein/Aus", "Rotationssperre", "Windows-Taste", "Lauter" und "Leiser". Die Auflösung des Touchscreens muss bei mindestens 1366 mal 768 Pixel liegen, darüber hinaus müssen fünf Berührungspunkte gleichzeitig erkannt werden, um eine Multitouch-Steuerung zu gewährleisten. Dazu kommen ein USB-2.0Anschluss sowie WLAN, Bluetooth 4.0 LE, eine Kamera mit mindestens 720p sowie Mikrofon, Lautsprecher, Magnetometer, Gyroskop und Beschleunigungsmesser.

Offensichtlich möchte Microsoft bei den Tablets und ähnlichen Geräten sichergehen, dass bezüglich der Funktionen ein bestimmtes Niveau nicht unterschritten wird. Das gibt auch technisch Sinn, ist so doch gewährleistet, dass Windows-8-Anwendungen auf jedem Touch-System bestimmte Mindestfunktionen vorfinden.

Jeder Hersteller, der die Zertifizierung anstrebt, muss außerdem ein UEFI-BIOS samt der umstrittenen Secure-Boot-Funktion integrieren. Diese sorgt dafür, dass nur signierte Betriebssysteme auf dem Rechner starten dürfen. Das Vorgehen wird unter anderem von der Linux-Community kritisiert. Auf Systemen mit x86-Basis schreibt Microsoft allerdings vor, dass Secure Boot im BIOS deaktvierbar sein muss - auf ARM-Geräten dagegen darf die Funktion nicht abschaltbar sein.

Formfaktoren: mit und ohne Touch

All-in-One-PCs könnten unter Windows 8 in Mode kommen.
Foto: Microsoft

Die bisher meist recht simplen Formfaktoren dürften mit Windows 8 ausgefallener werden. Konnte man bisher in der Regel zwischen Tablet (Touchscreen, keine Tastatur), Notebook (Tastatur, kein Touchscreen) und Desktop-PC unterscheiden, haben die Hersteller bereits eine Vielzahl an Variationen angekündigt. Notebooks und Tablets dürfte es künftig auch als Hybridvarianten geben, die mit einem berührungsgesteuerten Display, einer Tastatur und einer Maus daherkommen. Beispiele für solche Geräte zeigen etwa Samsung oder Microsoft selbst: Immerhin können Käufer der kommenden Surface-Tablets mehrere Tastatur-varianten per Magnetverbindung an das Tablet anschließen.

Die All-in-One-PCs, die mit Windows 7 noch ein Nischendasein fristen, dürften mit dem neuen Betriebssystem frischen Schwung erhalten. Kennzeichen dieser Geräte ist, dass alle Komponenten wie Prozessor, optisches Laufwerk, Festplatte etc. in das Display integriert sind - ähnlich wie bei den aktuellen iMacs von Apple. Auf der IFA wurden bereits entsprechende Geräte von Samsung, Lenovo, Acer und Sony gezeigt. Diese Systeme müssen sich inzwischen nicht mehr hinter "normalen" Desktop-PCs verstecken. Der Acer Aspire 7600U bietet beispielsweise ein Touch-empfindliches Display. Im Inneren steckt anspruchsvolle Hardware, die meisten Hersteller setzen hier auf die Core-i5- oder Core-i7-Chipsätze von Intel.

Es liegt nahe, dass die Anbieter künftig auch Notebooks, allen voran die von Intel stark vorangetriebenen Ultrabooks, mit einem Touchscreen versehen. Das wäre ein interessanter Zusatz, wobei allerdings abzuwarten ist, ob diese Art der Bedienung auf portablen Rechnern wirklich komfortabel und nützlich ist. Zusätzlich werden sicher einige Nischenprodukte auf den Markt kommen - darunter sogenannte Convertibles, bei denen sich der Bildschirm auf die Tastatur legen oder drehen lässt. Solche Devices gab es bereits unter Windows XP, Vista und Windows 7. Durchgesetzt haben sie sich nicht.

Neue externe Hardware

Zur Dateneingabe setzt Windows 8 nicht nur auf die Kombination von Maus und Tastatur, sondern erlaubt auch eine native Touch-Eingabe. Das wirkt bei klassischen Desktop-Arbeitsplätzen überflüssig, sind doch die wenigsten Monitore Touchscreens. Eine ganze Reihe an neuen Hardwareprodukten wird diese Lücke aber füllen - naturgemäß halten sich die Hersteller mit Ankündigungen aber noch zurück.

Ein Beispiel für künftige Windows-8-Hardware kommt daher direkt von Microsoft: Die "Wedge Touch Mouse". Ähnlich wie die "MagicMouse" von Apple verfügt sie über eine zusätzliche berührungsgesteuerte Oberfläche, die einige der neuen Touch-Gesten in Windows 8 unterstützt.



(Dieser Beitrag wurde von der ChannelPartner-Schwesterpublikation Computerwoche übernommen / rb)